5 Gründe, warum Reha selbsthilfefreundlich sein sollte


 

Ein Rehaaufenthalt kann für jeden Patienten immer nur ein Startschuss für ein neues, hoffentlich gesünderes und verantwortungsbewusstes Leben sein. Die Reha kann wertvolle Impulse dafür geben, das Leben gesundheitsförderlicher auszurichten und die Einschränkungen, die eine Krankheit mit sich bringt, besser zu bewältigen. Die eigentlichen Erfolge der Reha stellen sich dann erst im Alltag ein. Hierbei kann der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe für Patienten viel bewegen. Diese Chance sollte jeder Patient erhalten.

Die Dr. Becker Klinikgruppe engagiert sich seit 2012 für das Projekt „Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen“. Die  Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist seit Anfang des Jahres eine der beiden Pilotkliniken für das Projekt „Selbsthilfefreundliche Rehaklinik . Ziel ist es herauszufinden, was genau es ist, dass eine Rehaklinik zu einem Ort macht, an dem Patienten positive Erfahrungen mit  Selbsthilfegruppen machen, damit sie auch nach dem Rehaaufenthalt auf diese wertvolle Hilfestellung zurückgreifen – denn Patienten brauchen Selbsthilfe.

Die Fachtagung „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ am 24. Oktober in Essen bot uns die Gelegenheit, die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt an rund 120 Vertreter aus Gesundheitseinrichtungen, der Selbsthilfe und aus der Politik weiter zu geben – Warum sollte eine Rehaklinik selbsthilfefreundlich sein?

  1. Nachsorge und Motivation: Patienten haben während eines Rehabilitationsaufenthalts nicht genug Zeit, ihren Lebensstil zu ändern. Dies passiert – wenn es passiert – erst im Alltag. Gewohnheiten ändern sich laut wissenschaftlichen Untersuchungen frühestens nach 10 Wochen und damit erst 6-7 Wochen nach der Reha. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann ein wichtiger Schritt sein, um die Motivation zur Veränderung über diesen Zeitraum aufrecht zu erhalten.
  2. Nachsorge und Struktur: Patienten sind nach dem Rehaaufenthalt auf sich allein gestellt. Waren Sie in der Rehaklinik in eine Gemeinschaft von Betroffenen und Menschen eingebunden, die sich um ihr Wohlergehen gesorgt haben, so finden sich viele Patienten danach in einem Alltag wieder, in dem sie auf keine unterstützenden Strukturen zurückgreifen können. Die Integration in eine Selbsthilfegruppe kann hier als Auffangnetz dienen.
  3. Nachsorge und Gemeinschaft: Patienten profitieren in der Klinik von der Gemeinschaft mit anderen Betroffenen. Der Austausch über Erfahrungen mit der Bewältigung der Krankheit, Tipps zur besseren Bewältigung und das Wissen darüber, dass man nicht allein mit der schweren Situation ist, sind für viele Patienten mindestens genauso wichtig, wie das exakte Wissen über Risikofaktoren und Therapiealternativen. Viele Studien haben gezeigt, dass die soziale Eingebundenheit insbesondere bei chronischen Erkrankungen erheblich zum Erhalt der Lebensqualität trotz Erkrankung beiträt. Selbsthilfe bietet eine solche Gemeinschaft.
  4. Nachsorge und Austausch: Patienten, die mit einer neuen, zum Teil einschneidenden Lebenssituation nach einem Unfall, einem Schlaganfall oder dem Auftritt einer chronischen Krankheit konfrontiert sind, wissen häufig sehr wenig darüber, was alles möglich ist, um trotz der Erkrankung ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen. Ein zeitlich immer sehr begrenzter Aufenthalt in einer Rehaklinik kann zwar genutzt werden, um viele Informationen über Unterstützungs- und Hilfemöglichkeiten weiter zu geben – aber welche der Angebote individuell hilfreich sind, kann der Patient erst im Alltag erfahren. Wichtig ist dann, dass er auf Erfahrungswissen im Alltag zurückgreifen kann. Wer könnte das besser bieten als eine Gruppe von ähnlich Betroffenen?
  5. Impulse für die Therapie: Patienten werden in der Rehabilitation möglichst gut auf die Herausforderungen des Alltags vorbereitet, so dass sie trotz krankheitsbedingter Einschränkungen ein möglichst hohes Maß an Selbstmanagement erreichen können. In der Klinik hat dies immer einen „Laborcharakter“ und kann nie die realen Lebens- und Arbeitsbedingungen des Einzelnen abbilden. Der Kontakt zu Patienten, die auch nach der Reha weiterhin Erfahrungen austauschen, hilft jedem Rehabilitationsteam, die eigene Arbeit, das medizinisch-therapeutische Tun, möglichst lebensnah auszurichten. Selbsthilfe kann damit wichtige Impulse und Wissen aus den realen Lebenssituationen der Patienten in den Klinikalltag geben.

Alles in allem fünf sehr gute Gründe, um die Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfe und Gesundheitseinrichtungen dauerhaft zu stärken.

Für die Einrichtungen der Dr. Becker Klinikgruppe ist die Selbsthilfe schon seit Jahren ein ganz wesentlicher Baustein der Rehabilitation. Uns ist es deshalb ein wichtiges Anliegen, die Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfe und professioneller Versorgung noch weiter zu optimieren und hierfür auch qualitätsgesicherte Strukturen zu schaffen.

Die Fachtagung „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“, auf der ich unsere Erfahrungen aus dem Pilotprojekt „Selbsthilfefreundliche Rehaklinik“ vorgestellt habe, fand auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen statt und war eine gemeinsame Veranstaltung des Netzwerks Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen und des Deutschen Netzes Gesundheitsförderlicher Krankenhäuser in Kooperation mit dem BKK Bundesverband.

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