Burnout oder Depression – was ist der Unterschied?


 

Traurigkeit und Antriebslosigkeit können sowohl auf Depressionen als auch auf Burnout hinweisen.

Traurigkeit und Antriebslosigkeit können sowohl auf Depressionen als auch auf Burnout hinweisen.

(Kaum) Unterschiede in der Symptomatik

Erschöpfung, Antriebslosigkeit, keine Energie für die Arbeit – fast jeder von uns kennt solche Phasen. Abhilfe schaffen können in der Regel ein Kurzurlaub oder das klärende Gespräch mit dem Chef. Was aber steckt dahinter, wenn ein solches Tief über einen längeren Zeitraum anhält, nichts dagegen zu helfen scheint und es den Alltag immer mehr beherrscht? Burnout oder Depression? Oder vielleicht beides?

Den Unterschied zwischen diesen beiden psychischen Erkrankungen auszumachen, ist auch für Fachleute nicht immer leicht – die Symptome sind häufig dieselben. Neben anhaltender Müdigkeit, Traurigkeit und Konzentrationsstörungen kann es bei beiden Erkrankungen zu Selbstwertverlust oder sogar Schuldgefühlen kommen. Die Symptome sind außerdem von Patient zu Patient unterschiedlich. „Im Nachhinein kann man Burnout und Depression oft nicht mehr voneinander abgrenzen“, erklärt Dr. Christiane Ihlow, Chefärztin der psychosomatischen Abteilung der Dr. Becker Klinik Möhnesee. Dies sei dann der Fall, wenn sich aus dem Burnout eine Depression entwickelt habe.

Unterschiede in den Ursachen

Auch wenn die Depression eine der häufigsten Folgeerkrankungen des Burnout ist, heißt das nicht, dass sich die Erkrankungen gegenseitig bedingen. „Etwa 60 Prozent der Patienten mit schwerem Burnout haben keine Depression“, so Ihlow. Um eine genaue Diagnose stellen zu können, seien die Lebensumstände des Patienten ein entscheidender Aspekt. Anders ausgedrückt: Bei einer Burnout-Erkrankung lassen sich häufiger kontextbezogene Ursachen ausmachen wie z. B. berufliche Bedingungen. Werden die äußeren Einflüsse wie beispielsweise Stress, hohe Arbeitsbelastung oder permanente Problemkonfrontation beseitigt, verschwinden mit der richtigen Therapie auch die Burnout-Symptome.

Die Ursachen von Depressionen sind vielfältig und immer noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass viele Faktoren gemeinsam an der Entstehung beteiligt sind. Hierzu gehören zum Beispiel traumatische Erlebnisse, eine schwierige, belastende Kindheit, aber auch erbliche Veranlagung oder biologische Faktoren wie Hormon- und Stoffwechselstörungen.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Therapie

Die Unterscheidung der beiden Erkrankungen spielt für die Therapie eine wichtige Rolle. „Beim Burnout steht die Psychotherapie im Vordergrund, während die Behandlung der Depression zum Teil auch medikamentös mit Antidepressiva unterstützt wird“, erläutert Dr. Dirk Schröder, Chefarzt der Dr. Becker Brunnen-Klinik. In der psychosomatischen Rehabilitation geht es meist bei beiden Erkrankungen um die berufliche Wiedereingliederung, die für viele das wichtigste Ziel des Klinikaufenthaltes ist. Zu Beginn der Behandlung setzt der Patient gemeinsam mit den Therapeuten zusätzlich weitere Rehaziele fest. Diese sind individuell sehr unterschiedlich und reichen von der psychischen Erholung über die emotionale Entlastung und Stabilisierung bis hin zur Verbesserung der Alltags- oder Stressbewältigung oder auch dem Abbau von Schuldgefühlen. In Einzel- oder Gruppentherapien wird dann am Erreichen der Ziele gearbeitet. Unterstützt werden diese entsprechend der Zielsetzung und auch nach persönlichen Interessen beispielsweise durch Entspannungstraining, Sport- und Bewegungstherapie, Ergotherapie oder auch Sozial- und Berufsberatung. Besonders wichtig sind in der Reha außerdem Patientenschulungen, die dafür sorgen, dass die Betroffenen auch nach dem Aufenthalt in der Klinik richtig mit ihrer Erkrankung umgehen und dadurch einem Rückfall vorbeugen. Zusätzlich steht in der Regel ein umfassendes Nachsorge-Programm zur Verfügung, um den Erfolg der Rehabehandlung zu festigen.

Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung

Die ursächlichen äußeren Einflüsse des Burnout sind der Grund, warum sich viele Betroffene eher trauen über ihre Erkrankung zu sprechen als Menschen, die an Depressionen leiden. „Es gibt immer noch viele Vorurteile gegenüber psychischen Störungen wie der Depression. Beim Burnout hingegen mildern greifbare Ursachen wie Arbeitsüberlastung die Vorurteile deutlich ab“, sagt Schröder.

Zur gesellschaftlichen Akzeptanz tragen zusätzlich die Medien bei, in denen immer wieder von Prominenten zu lesen ist, die am Burnout-Syndrom leiden bzw. dieses überwunden haben. Namen aus dem Fußball, wie zum Beispiel Oliver Kahn, Ottmar Hitzfeld oder Ralf Rangnick werden im Zusammenhang mit Burnout ebenso genannt wie die von Hollywood-Schauspielerin Renée Zellweger oder Bestsellerautor Frank Schätzing. Sie alle haben gemeinsam, dass die Gründe ihrer Erkrankung in (zu) großer beruflicher Belastung zu finden sind. Das stigmatisiert nicht nur weniger als eine innere Ursache, es verleiht sogar eine gewisse Anerkennung hinsichtlich des beruflichen Engagements. Wirklich nützen tut das allerdings niemandem – oder doch?

Ausblick

Burnout-Betroffene wie die oben genannten Prominenten, könnten diejenigen zu einem offenen Umgang mit der Erkrankung ermuntern, die unter ähnlichen Symptomen leiden. Dies wäre wünschenswert, da bereits das Sprechen über ihre Probleme viele Betroffene deutlich entlastet. Der Fokus auf dem Thema Burnout in der öffentlichen Diskussion sollte jedoch nicht von der mangelnden Akzeptanz anderer psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft ablenken, im Gegenteil. Vielleicht kann der offene Umgang mit dem Burnout-Syndrom ein Schritt in Richtung mehr Verständnis für Depressionen und andere psychische Krankheiten sein.

Weiterführende Informationen finden Sie auch in diesem Focus-Artikel.