Hilfe bei Hörsturz: „Bereits nach drei Wochen Reha brauchte ich kein Hörgerät mehr“


 

Nach seinem Hörsturz machte Ulf-C. Roggendorff eine 5-wöchige Reha in der Dr. Becker Burg-Klinik.

Nach einem Hörsturz machte Ulf-C. Roggendorff eine 5-wöchige Reha in der Dr. Becker Burg-Klinik.

Im Januar 2014 erlitt Ulf-C. Roggendorff einen Hörsturz. Daraufhin wurde der 51-jährige gelernte Industriekaufmann und Erzieher in der Dr. Becker Burg-Klinik behandelt. In einem Interview berichtet er davon, wie es ihm ergangen ist und wie ihm eine psychosomatische Rehabilitation geholfen hat.

 

Herr Roggendorff, wie ging es Ihnen vor Ihrer Reha?

Nach meinem Hörsturz im Januar 2014 hatte ich eine regelrechte Odyssee an Arztbesuchen hinter mir. Von den Ärzten erhielt ich lediglich eine Diagnose, aber keine Behandlung, nicht einmal Medikamente. Ein MRT zeigte, dass ich bereits mehrere kleine Schlaganfälle hatte, was ich bis dato gar nicht wusste. Das war natürlich erstmal ein großer Schock für mich. Dr. Ebke aus der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik beruhigte mich nach einer Untersuchung aber wieder und sagte mir, so etwas sei nicht ungewöhnlich. Er riet mir dennoch, mich bei einem Kardiologen vorzustellen und eine stationäre psychosomatische Reha zu machen.

Im Sommer letzten Jahres sind sie dann zur Reha in die Dr. Becker Burg-Klinik gekommen. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Bereits nach wenigen Tagen konnte ich besser hören – die Ruhe in der Klinik und der Umgebung haben mir sofort gut getan. Nach drei Wochen brauchte ich mein Hörgerät schon nicht mehr. Die Ärzte und Therapeuten haben mich persönlich mit meinen ganzen Problemen ernst genommen und gaben mir das Gefühl, mehr als ein Fall für sie zu sein. So konnten sie feststellen, dass ich auch unter Depressionen litt. Gemeinsam haben wir besprochen, wo ich stehe und was genau ich während der Reha erreichen kann. Das hat mich zuversichtlich gemacht.

Sie waren insgesamt fünf Wochen in der Reha. Was hat Ihnen im Rückblick besonders geholfen?

Am hilfreichsten fand ich die Entspannungstechniken, vor allem das Autogene Training und die Achtsamkeitsübungen. Die Mitarbeiter in der Klinik haben mir beigebracht, wie wichtig es ist, behutsam mit sich selbst umzugehen. Außerdem habe ich gelernt zu erkennen, wann ich Ruhe brauche und einfach mal „Nein“ sagen muss. Das Einzige, was mir nicht so viel Spaß gemacht hat, war das Walken, aber damit konnte ich leben.

Und wie geht es Ihnen heute? Was hat sich in Ihrem Alltag verändert?

Das Beste ist, dass ich wieder ohne Hörgerät hören kann. Ich bin heute viel ruhiger und nehme mir Probleme nicht mehr so stark an. Auch meine Konzentrationsfähigkeit hat sich sehr verbessert. Ich habe gelernt, mehr Struktur in meinen Tagesablauf zu bringen, z. B. mit konkreten Zeitplänen, und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. So konzentriere ich mich lieber auf eine Hauptaufgabe am Tag, statt mich in vielen Kleinigkeiten zu verlieren. Dadurch bin ich weniger gestresst und bekomme das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben. Ich mache jetzt jeden Tag regelmäßige kurze Pausen mit Atemübungen. Das hilft mir, zwischendurch zu entspannen.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Die Burg-Klinik vereinbarte eine Wiedereingliederung mit meinem Arbeitgeber. Also habe ich nach der Reha wieder stundenweise in meinem Beruf als Integrationshelfer gearbeitet, doch zwei Tage nach Ablauf der Eingliederung wurde mir gekündigt. Nun hoffe ich, dass ich bald einen neuen Job finde, der zu mir passt. Ich denke, als gelernter Industriekaufmann und Erzieher habe ich da gute Perspektiven. Gerne möchte ich einen Platz für eine Psychotherapie bekommen. Dafür stehe ich momentan auf einer Warteliste. Außerdem würde ich gerne ein Angebot für angeleitete Achtsamkeitsübungen finden, da mir diese in der Burg-Klinik sehr gut geholfen haben. Ich weiß, dass ich mehr Sport machen müsste. Den inneren Schweinehund zu besiegen ist aber noch etwas Arbeit. Bis ich das geschafft habe, bewege ich mich viel in unserem Garten.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Roggendorff.

 

Informationen zum Hörsturz

  1. Als Hörsturz bezeichnet man einen abrupten Hörverlust, welcher meist einseitig ist.
  2. Neben dem Hörverlust tritt fast immer ein dumpfes Gefühl im Ohr auf, häufig haben Betroffene Ohrgeräusche, selten auch einen Drehschwindel. Tritt der Hörverlust ohne Begleiterscheinungen auf, kann es passieren, dass er zunächst gar nicht bemerkt wird.
  3. Dem Hörsturz liegt eine Schädigung der Hörzellen des Innenohrs zugrunde. Wodurch diese ausgelöst wird, ist bis heute nicht eindeutig klar. Vermutet werden akute Durchblutungsstörungen. Auffällig ist, dass viele Menschen, die einen Hörsturz erleiden, über Stress im Vorfeld des Ereignisses berichten. Auch virale Infekte oder Autoimmunerkrankungen können an der Entstehung eines Hörsturzes beteiligt sein.
  4. Die unmittelbare Therapie besteht meist in der Gabe einer durchblutungsfördernden Infusion, häufig in Kombination mit Cortison. Um einem weiteren Hörsturz vorzubeugen, ist eine verbesserte Stressregulation erforderlich.