„Unsere Darmflora ist der Schlüssel zur Gesundheit von Körper, Hirn und Psyche“


 

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Masumeh Ramezanpour, Oberärztin in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, beschäftigt sich intensiv mit ernährungsmedizinischen Studien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zusammensetzung unserer Darmflora wirkt sich auf unsere körperliche und psychische Gesundheit aus – das haben mittlerweile zahlreiche Studien untersucht. Da liegt die Frage nahe, ob sich unsere Gesundheit mittels einer „darmgesunden“ Ernährung positiv beeinflussen lässt. Ja, findet Masumeh Ramezanpour, Oberärztin Neurologie in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, die sich intensiv mit ernährungsmedizinischen Ansätzen auseinandersetzt. Für sie ist eine darmgesunde Ernährung ein wichtiger Baustein eines ganzheitlichen Rehabilitationsansatzes.

 Frau Ramezanpour, Sie beschäftigen sich intensiv mit ernährungsmedizinischen Studien. Welche Rolle spielt unsere Darmflora für unsere Gesundheit?

Unsere Darmflora ist der Schlüssel zur Gesundheit von Hirn, Psyche und dem Rest unseres Körpers. Bisher ist die Annahme verbreitet gewesen, dass das Gehirn unsere Verdauungsorgane über den zehnten Hirnnerv, den Nervus Vagus, steuert und somit den Verdauungsprozess reguliert. Jetzt wurde festgestellt, dass ein Großteil der neurologischen Informationen genau in die entgegengesetzte Nervenbahnrichtung verläuft. Vereinfacht ausgedrückt informiert der Bauch das Gehirn stärker als das Gehirn den Bauch. Das bedeutet, dass unserer Darmflora eine wichtige Mittlerfunktion in der Kommunikation zwischen Hirn und Verdauung darstellt.

Wie funktioniert diese Form der Kommunikation?

Die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn erfolgt über das zentrale und das enterische (Darm-)Nervensystem, über unser Hormonsystem und die Regulierung von Nervenbotenstoffen. Auf diese Weise wird auch die Ernährungsweise registriert. Die Darmflora unterstützt die Verfügbarkeit bestimmter Nahrungsinhaltsstoffe, die für die Funktionsfähigkeiten unseres Körpers wichtig sind.

Was passiert, wenn die Kommunikation misslingt und bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe nicht verfügbar sind?

Eine gesunde Darmflora bzw. gelungene Kommunikation zwischen Darm und Hirn trägt zum Beispiel dazu bei,  dass unser Tryptophanspiegel im Plasma aufrecht erhalten wird. Tryptophan ist eine Aminosäure, die für die Synthese des „Glückshormons“ und Neurotransmitters Serotonin wichtig ist. Im Darm ist die Serotoninmenge deutlich höher als im Gehirn, so dass sie dort durch die Botenstoffe aus dem Darm verstärkt wird. Ist der Darm nicht gesund, kann es zu einem Mangel an Serotonin kommen, was zum Beispiel symptomatisch für die Depression ist. Bei depressiven Patienten, die unter einem Mangel an Serotonin leiden, könnte deshalb Studien zufolge eine Störung der Darmflora zugrunde liegen. Solche Erkenntnisse lassen sich auch für die rehabilitativen Therapie von psychischen Erkrankungen nutzen. Bei Krankheiten wie der Depressionen kann eine Ernährungsumstellung mit den richtigen Probiotika die therapeutische Behandlung sinnvoll ergänzen.

Eine gesunde Darmflora hält wichtige Stoffwechsel- und Nervenfunktionen, insbesondere die Kommunikation zwischen den Nervenzellen, aufrecht. Lassen sich Erkrankungen also durch eine „darmfloraförderliche“ und ausgewogene Ernährungsweise vorbeugen?

Eine gesunde Ernährungsweise hängt zum großen Teil von der richtigen Zubereitung der Speisen ab. Gewürze können hier z. B. viel bewirken. So wirkt Safran zum Beispiel schmerzlindern und wird als Mittel gegen epileptischer Krankheiten sowie als Herzmittel eingesetzt, stärkt den Magen und hilft durch seine Bitterstoffe bei Leberbeschwerden. Sogar bei starkem Husten oder Keuchhusten kann Safran zu einer Symptomlinderung beitragen. Gelbwurz oder Kurkuma soll dabei helfen, Entzündungen und Magen-Darm-Beschwerden zu lindern und Kardamom wirkt verdauungs- und durchbluntungsfördernd, schleimlösend und antibakteriell.

Wieso sind diese Erkenntnisse für die „Rehabilitation im 21. Jahrhundert“ wichtig?

Die neuen Erkenntnisse im ernährungsmedizinischen Bereich stellen eine wichtige Behandlungsgrundlage für die medizinische und psychotherapeutische Behandlung dar. Wenn wir mit unserer Ernährung die Zusammensetzung unserer Darmflora beeinflussen können und die wiederum eine wichtige Rolle in der Entstehung von Krankheiten spielt, ist ein gesunder Ernährungsstil ein zentraler Bestandteil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts wie wir es in der Rehabilitation praktizieren.