Schlaganfall: Warnzeichen richtig deuten


 

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute: Je schneller die Behandlung erfolgt, desto geringer sind meist die Schlaganfall-Folgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Schlaganfall kann jeden treffen. Auch junge Menschen sind von diesem Risiko nicht ausgenommen. Umso wichtiger ist es, mögliche Warnzeichen richtig zu deuten und schnell zu reagieren. Dr. Ebke, Chefarzt Neurologie in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, gibt im nachstehenden Beitrag Tipps, wie wir uns richtig verhalten.

Zwar ist ein Schlaganfall in jungen Jahren selten, doch nicht ausgeschlossen: Jedes Jahr sind in Deutschland rund 10.000 Menschen unter 45 Jahren betroffen. Jüngstes Beispiel ist  der frühe Tod des Jazzmusikers Roger Cicero. Mit nur 45 Jahren ist der gebürtige Berliner am 24. März nach einem Hirninfarkt verstorben. Dabei galt Cicero als körperlich aktiver, sportlicher Mann, der einen gesunden Lebensstil pflegte. Die typischen Risikofaktoren für einen Schlaganfall wie Übergewicht, hoher Blutdruck, Bewegungsmangel oder Diabetes mellitus lagen bei ihm nicht vor. Hatte vielleicht die hohe Arbeitsbelastung des jungen Musikers etwas mit seinem Hirninfarkt zu tun?

„Eine hohe Arbeitsbelastung von rund 60 Arbeitsstunden pro Woche bei einem dauerhaft erhöhten negativem Stresslevel kann das Schlaganfallrisiko tatsächlich steigern“, erklärt Dr. Markus Ebke, Chefarzt Neurologie in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik. Ob das bei dem prominenten Jazzmusiker der Fall war, lässt sich nur mutmaßen. Erwiesen ist, dass exzessiver Stress negative Auswirkungen auf das Immunsystem haben kann und einen ungesünderen Lebensstil begünstigt. Der wiederum kann die Risikofaktoren für einen Schlaganfall wie Bluthochdruck, Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel erhöhen. Eine ungünstige Kombination dieser Faktoren begünstigt das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, die zu den häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall zählen. „Die Verstopfung oder der Verschluss von Arterien im Gehirn führen zu Durchblutungsstörungen der betroffenen Hirnregionen. Tritt eine solche Störung zum Beispiel im Hirnstamm auf, kommt es zu den schlaganfalltypischen Taubheitsgefühlen mit Lähmungen in den Gliedmaßen“, erläutert Dr. Ebke.

Typische Vorboten eines Schlaganfalls

Eben auch bei jungen Menschen kann ein Thrombus oder Gefäßverschluss auftreten. Deshalb ist es auch für sie wichtig, mögliche Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und richtig zu deuten. „Typische Vorboten eines Schlaganfalls sind Taubheitsgefühle in Armen und Beinen, hängende Mundwinkel, eine verwaschene Sprache, Schwindel oder Gangunsicherheiten“, erklärt der Neurologe. Solche Warnzeichen sollten auf alle Fälle ernst genommen werden. „Ich rate jedem, der die Symptome bei sich bemerkt, einen Krankenwagen zu rufen. Je schneller ein Schlaganfall behandelt wird, desto geringer sind in der Regel die Langzeitfolgen für Betroffene“. Viele Krankenhäuser verfügen für solche Notfallsituationen über spezielle Schlaganfallstationen oder Stroke Units. Außerdem empfiehlt der Chefarzt regelmäßige Gesundheitschecks. „Wer sich zum Beispiel ständig abgeschlagen oder müde fühlt, leidet nicht unbedingt unter Stress oder einem Burnout. Hier können auch körperliche Ursachen wie eine Herzrhythmusstörung zu Grunde liegen, die wiederum das Risiko für Gefäßverschlüsse erhöht“, rät Dr. Ebke.

Nach einem Schlaganfall haben Betroffene häufig mit langwierigen Folgen wie Lähmungen, Sprach- oder Schluckstörungen und Bewegungseinschränkungen zu kämpfen. Im Anschluss an die Akutbehandlung können sie diese Beschwerden in einer neurologischen Rehabilitation erheblich bessern. In der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik können sie zum Beispiel logopädische Angebote zur Behandlung von Sprach- oder Schluckstörungen wahrnehmen, ihre kognitiven Kapazitäten in speziellen Hirnleistungstrainings verbessern und  ihre Bewegungseinschränkungen durch physio- und ergotherapeutische Maßnahmen reduzieren. „Auch hier gilt: Je früher Betroffene mit der Rehabilitation beginnen, desto effektiver lassen sich die Schlaganfallfolgen reduzieren“, sagt Dr. Ebke.

 

F-A-S-T: Schnelltest bei Schlaganfallverdacht

F – face: Bitten Sie die Person, zu lächeln. (Das Gesicht wird bei Lähmung einseitig verzogen.)

A – arms: Bitten Sie die Person, gleichzeitig beide Arme nach vorne zu heben, Handflächen nach oben. (Bei einer Lähmung kann ein Arm nicht gehoben werden bzw. dreht sich, vor allem bei geschlossenen Augen, ab.)

S – speech: Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen, zum                             Beispiel: „Ich benötige keine Hilfe.“ (Der Satz muss korrekt wiederholt werden, die Sprache darf nicht verwaschen sein.)

T – time: Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Tritt eines dieser Symptome auf, ist unverzüglich der Notarzt unter der 112 zu rufen. Dabei ist es wichtig, den Verdacht auf Schlaganfall zu äußern, damit entsprechende Vorbereitungen für den Rettungseinsatz eingeleitet werden können.