„Das Leben geht weiter!“ – 30 Jahre mit Multipler Sklerose


 

Susanne Montag war 17, als ihr Arzt die Diagnose Multiple Sklerose stellte. Für die heute 45-jährige Bambergerin ist die fortschreitende Krankheit jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Ganz im Gegenteil.

„Das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber für mich war die Diagnose ‚Multiple Sklerose‘ damals eine Erleichterung“, sagt Susanne Montag. „Meine erste Reaktion war ‚Gott sei Dank ist es nur MS!‘ – denn ich hatte damit gerechnet, einen Hirntumor zu haben.“ Bereits seit längerer Zeit hatte Montag das Gefühl, mit ihr sei etwas nicht in Ordnung. Immer wieder hatte sie kurzzeitige Aussetzer, unter anderem Sensibilitätsstörungen im Bein.

Susanne Montag

Susanne Montag lebt seit 30 Jahren mit Multipler Sklerose.

 

Selbstmitleid kommt nicht in Frage
Seit der Diagnose sind mittlerweile fast 30 Jahre vergangen. Montag, die früher in ihrer Freizeit viele Jahre lang getanzt hat, ist heute den Großteil ihrer Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen – die Multiple Sklerose hat ihre Spuren hinterlassen. „In meiner Wohnung kann ich ohne Hilfe gehen, aber wenn ich das Haus verlasse, nutze ich meinen Rollstuhl-Scooter. Ich versuche, meinen Alltag so gut wie möglich selbstständig zu bewältigen, bin aber auch auf fremde Hilfe angewiesen. Aufgrund meines Aktionstremors kann ich beispielsweise nicht mehr richtig essen, auch das Schreiben funktioniert nicht mehr.“ Neben engen Freundinnen unterstützen ihre Eltern die 45-Jährige im Alltag. Für sie hat Montag vor einiger Zeit eine Pflegevollmacht erstellen lassen. „Natürlich könnte ich mich den ganzen Tag selbst bemitleiden. Aber das kommt gar nicht in Frage. Das Leben geht schließlich weiter! Ich bleibe positiv und mache das Beste aus jedem Tag.“

Unterstützung und Rückhalt erfährt die Bambergerin auch von ihrem Lebensgefährten. Die beiden führen eine Fernbeziehung zwischen Würzburg und Bamberg und unternehmen in ihrer Freizeit viel miteinander. „Er ist mein Fels in der Brandung, der mich auch an schlechten Tagen immer wieder hochzieht. Das tut mir sehr gut“, sagt Montag.

Erste Schübe mit 14 Jahren
Multiple Sklerose wird auch als ‚Krankheit der 1000 Gesichter‘ bezeichnet – denn aufgrund ihres schubartigen Verlaufs zeichnet sie bei jedem Betroffenen ein individuelles Krankheitsbild mit einem unvorhersehbaren Krankheitsverlauf. Susanne Montag erinnert sich noch gut an ihre ersten Schübe. „Als ich 14 Jahre alt war, reiste ich nach New York City. Da hatte ich zwischenzeitlich Probleme beim Sehen. Das ging aber von allein wieder weg, deshalb dachte ich mir nicht viel dabei“, erinnert sie sich. „Mit 17 Jahren, kurz vor meiner Diagnose, war ich in Paris und merkte, dass etwas mit meinem Bein nicht stimmte. Ich konnte nicht mehr flüssig gehen. Aber auch das legte sich von allein wieder. Heute weiß ich, dass diese Vorfälle MS-Schübe waren.“

2011 fasste Montag dann den Entschluss, eine Reha zu machen. „Ich hatte eine schlimme Phase, mit Gesichtslähmungen, starken Gleichgewichtsproblemen und heftigem Zittern. Da dachte ich mir, eine Reha würde jetzt Sinn machen“, sagt sie. Ihre Wahl fiel dabei auf die Dr. Becker Kiliani-Klinik in Bad Windsheim. „Ich habe mal eine Freundin besucht, die zur Reha in der Kiliani-Klinik war. Die Klinik und das Ambiente haben mir so gut gefallen, dass ich beschloss, nur hier eine Reha machen zu wollen“, so Montag.

Anerkanntes MS-Rehabilitationszentrum
Frau Montag beantragt ihre Reha regelmäßig, immer wieder in der Bad Windsheimer Einrichtung. Denn diese ist unter anderem auf die Behandlung von MS-Patienten spezialisiert und als “Anerkanntes MS-Rehabilitationszentrum“ von der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft ausgezeichnet.  Patienten profitieren hier nicht nur von einer rein medizinischen Betreuung, sondern lernen die Krankheit in Schulungsprogrammen detailliert kennen und finden Zeit und Raum, jegliche Fragen zu stellen, die ihnen auf der Seele brennen. „Mir liegen die MS-Patienten sehr am Herzen“, sagt Dr. Gerald Lehrieder, Chefarzt Neurologie der Kiliani-Klinik. „Die MS-Forschung ist ein spannendes und sehr dynamisches Gebiet. In den letzten Jahren haben sich viele neue therapeutische Optionen aufgetan. Dieses Wissen möchten wir auch an unsere Patienten weitergeben.“ Jeden Monat findet zudem vor Ort eine Beratung für Patienten durch die Multiple-Sklerose-Gesellschaft statt. „Die Reha tut mir gut. Die Ärzte und Therapeuten sind super kompetent im Umgang mit der MS und ich komme immer gerne wieder“, sagt Susanne Montag. „Hier habe ich damals auch meinen jetzigen Lebensgefährten kennengelernt, der selbst halbseitig gelähmt ist.“

Kreativer Umgang mit der Krankheit

Während ihrer Aufenthalte in der Kiliani-Klinik nutzte Susanne Montag die Therapien auch, um sich künstlerisch auszudrücken – in Form von Kreidebildern. „Ich kann zwar nicht mehr schreiben, aber das Malen funktioniert“, sagt sie. Und so nutzte sie ihre Kreativität nicht nur, um Naturmotive zu erstellen, sondern auch, um sich intensiv mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen. Zehn ihrer Kunstwerke wurden im Mai 2018 unter dem Titel ‚Aktionstremor‘ im Ausstellungsraum ‚Kunstraum Montag‘ in Bamberg ausgestellt. „Malen gibt mir einen positiven Kick, auch außerhalb der Reha“, sagt Montag.

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Frau Montags Kreidebilder sind bei Therapiemaßnahmen in der Kiliani-Klinik entstanden.

 

In ihrer Freizeit nimmt die 45-Jährige außerdem weitere therapeutische Angebote wahr. „Ich treffe mich monatlich mit einer MS-Gruppe und gehe natürlich regelmäßig zur Ergotherapie“, sagt sie. „ Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft mir ungemein und ich freue mich, wenn ich sie mit meinem positiven Umgang mit der MS beeinflussen kann.“ Positiv und lebensfroh sind auch die Zukunftspläne der Bambergerin: „Ich möchte ein Buch über mein Leben mit MS schreiben. Dafür benötige ich spezielle technische Unterstützung und habe dafür bereits einen Antrag bei der Krankenkasse gestellt.“ Auch die nächste Reha in der Kiliani-Klinik ist bereits geplant – für das nächste Frühjahr. Wir wünschen Frau Montag auf ihrem weiteren Weg alles Gute!