Hoher Beratungsbedarf bei Schlaganfall-Betroffenen


 

Ulrich Häussermann, Ute Lange und Dr. Markus Ebke standen Anrufern am Welt-Schlaganfall-Tag für fragen zur Verfügung.

Ulrich Häussermann, Ute Lange und Dr. Markus Ebke (v.l.) standen Anrufern am Welt-Schlaganfall-Tag für Fragen zur Verfügung.

Zahlreiche Anrufe gingen am Dienstag, den 29. Oktober in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ein. Anlässlich des Welt-Schlaganfall-Tags 2013 hatte die Rehaklinik einen telefonischen Beratungsservice eingerichtet, bei dem drei Experten zu verschiedenen Themen rund um den Schlaganfall zur Verfügung standen. Einige Fragen wurden den Beratenden, Chefarzt der Neurologie Dr. Markus Ebke, Leiterin des Sozialdienstes Ute Lange sowie dem Leiter der Sporttherapie Ulrich Häussermann besonders häufig gestellt.

 
Wann ist eine Rehabilitation bei Schlaganfall zeitlich gesehen am sinnvollsten?
Die Folgen eines Schlaganfalls können sehr unterschiedlich sein. Egal, ob es sich um massive Auswirkungen oder geringe Funktionsstörungen handelt – wichtig ist die sofortige fachgerechte und damit spezialisierte neurologische Rehabilitationsbehandlung. Nach dem Aufenthalt in der Akutklinik sollte ein nahtloser Übergang erfolgen. Die zeitnah eingeleitete Therapie ist die optimale Voraussetzung für eine deutliche Verbesserung vieler Krankheitssymptome.

Lohnt sich eine Reha auch dann noch, wenn der Schlaganfall schon lange zurück liegt?
Ganz klar ja. Eine Rehabilitation ist immer eine multidisziplinäre Teamarbeit mit dem Auftrag, zum einen die Folgen eines Schlaganfalls zu mindern, zum anderen dem Patienten auch mit einer verbleibenden Behinderung zur größtmöglichen Selbstständigkeit zu verhelfen. Das Gehirn verfügt über eine enorme Anpassungsfähigkeit. Wir nennen es „neurologische Plastizität“. Der gezielte, therapieinduzierte Gebrauch von Funktionen auf sämtlichen Ebenen (motorisch, sprachlich etc.) führt nicht nur im akuten, sondern auch im chronischen Stadium der Erkrankung zu Kompensationsvorgängen im Gehirn.

Was ist besser, eine ambulante oder eine stationäre Reha?
Das spielt keine Rolle. Interessant ist hier, dass eine Rehabilitation auch nach dem stationären Aufenthalt – wenn notwendig – mit ambulanten Therapieeinheiten weitergeführt werden kann. Diese Form der Nachsorge macht die Rehabilitation besonders intensiv.

Wie komme ich an eine Reha?
Während der Akutbehandlung wird das Rehapotential ermittelt. Wenn ich Anspruch auf eine Rehabilitationsmaßnahme habe wird geprüft, welcher Kostenträger zuständig ist. Bei schweren Beeinträchtigungen kommt die neurologische Frührehabilitation in Frage. Hierfür ist in der Regel die Krankenkasse zuständig. Bei leichteren Beeinträchtigungen ist die Krankenkasse oder die Rentenversicherung der Kostenträger. Im Krankenhaus gibt es den Sozialdienst, der berät und hilft die notwendigen Anträge rechtzeitig zu stellen.

Bekomme ich eine Reha wenn der Schlaganfall schon fünf Jahre her ist? Falls ja, wo beantrage ich diese?
Hier handelt es sich um ein Heilverfahren (HV). Dieses erfolgt ohne Vorbehandlung im Krankenhaus und wird durch den behandelnden Arzt beantragt. Der Arzt muss dem Patienten die Notwendigkeit einer Rehamaßnahme bescheinigen. Wenn dieser noch im Arbeitsleben steht, empfiehlt es sich, zusammen mit dem Arzt den Antrag beim Rentenversicherungsträger zu stellen. Wer nicht mehr berufstätig ist, kann die Reha auch bei der Krankenkasse beantragen. Alle notwendigen Auskünfte und Antragsformulare halten die Krankenversicherungen bzw. die Rentenversicherungsträger bereit. Der gesetzlichen Rentenversicherung geht es darum, eine Frühverrentung zu vermeiden, die gesetzliche Krankenversicherung möchte eine Pflegebedürftigkeit verhindern und die gesetzliche Unfallversicherung will Schäden nach Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten beheben und mindern. Bei der Wahl der Klinik es gibt ein „Wunsch- und Wahlrecht des Patienten“ nach dem IX. Sozialgesetzbuch § 9.

Der Arzt verschreibt mir keine Krankengymnastik mehr, stattdessen schlägt er mir Rehasport vor. Ist das etwas für mich?
Rehasport findet im Gegensatz zur Krankengymnastik in der Gruppe statt. Hier können Patienten während des Trainings dann auch tatsächlich das erleben, was sie lebensbegleitend an Sport binden kann: Gemeinschaft, Ausgelassenheit und eine oft überraschende Erkenntnis darüber, was in diesem Rahmen alles doch möglich ist – ungeachtet der körperlichen Einschränkungen.

Wie kann ich beim Rehasport teilnehmen?
Einrichtungen die Rehasport anbieten, benötigen eine ärztliche Verordnung, die der Hausarzt ausstellt. Das ist in der Regel vollkommen unproblematisch, weil das Heilmittelbudget des Arztes nicht belastet wird. Mit dieser Verordnung können sich Patienten an Rehasport-Anbieter wenden, um sich persönlich über den weiteren Verlauf beraten zu lassen. Die Verordnung wird vom Anbieter dann direkt an die Krankenkasse geschickt, damit die Patienten zeitnah mit dem Training beginnen können.

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