Was Sie gegen Schlafstörungen tun können


 

In der Tiefschlafphase erholt sich der Körper am meisten.

In der Tiefschlafphase erholt sich unser Körper am meisten.

Viele Menschen klagen über Schlafprobleme. Wie wichtig ein erholsamer Schlaf ist und wie man seine Schlafqualität verbessern kann, weiß Jens Aron, Oberarzt in der psychosomatischen Dr. Becker Burg-Klinik.

Herr Aron, mal ganz grundsätzlich: Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach guter Schlaf für das Wohlbefinden?

Nur wenn wir einen erholsamen Schlaf haben, können wir uns richtig gut fühlen. Das heißt, wenn wir vor allem in der Tiefschlafphase gut schlafen. In dieser findet die größte Regeneration statt, da der Körper in der Phase am wenigsten „erreichbar“ für äußere Störungen und am meisten entspannt ist. Aber auch die REM-Schlafphase unmittelbar nach dem Einschlafen ist wichtig. Hier verarbeiten wir Eindrücke, die wir tagsüber sammeln.

Also die Tiefschlafphase entscheidet über einen erholsamen Schlaf. Welche Ursachen kann es haben, wenn diese gestört ist?

Die häufigste Ursache dafür, dass der Körper nachts nicht zur Ruhe kommt, ist Stress. Umgekehrt ist ein schlechter Schlaf ein guter Indikator für Stress. Seelische Erkrankungen, wie Depressionen führen immer zu Schlafproblemen. Manchmal spielen auch körperliche Gründe, z. B. eine Schilddrüsenüberfunktion eine Rolle. Diese äußert sich darin, dass sich Patienten sehr aufgewühlt fühlen, einen hohen Pulsschlag und Blutdruck haben und stark abnehmen.

Was raten Sie diesen Menschen, um besser ein- und durchschlafen zu können?

Zunächst sollte man die Ursachen der Schlafprobleme von einem Arzt abklären lassen. In den meisten Fällen hilft es, wenn man versucht, im Alltag Stress abzubauen, beispielsweise durch regelmäßiges Sporttreiben. Meinen Patienten in der Burg-Klinik empfehle ich Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Menschen, die sehr viel grübeln, rate ich, vor dem Schlafengehen ihre Sorgen auf einen Zettel zu schreiben, diesen zusammenzufalten und weit weg vom Bett zu verstecken. Das symbolische Wegschieben der Sorgen hilft, ohne Gedankenkreisen einzuschlafen. Grundsätzlich ist es sinnvoll, nur zu Bett zu gehen, wenn man wirklich müde ist. Das Bett sollte man nur zum Schlafen und nicht etwa zum Arbeiten oder E-Mails lesen nutzen. Im äußersten Fall kann Schlafentzug helfen: Entweder partiell, sodass man etwa um ein Uhr zu Bett geht und um 6.30 Uhr wieder aufsteht oder vollständig, also etwa 36 Stunden ohne Schlaf. Diese Methode hat bisher bei vielen unserer Patienten geholfen – auch langfristig. Denn auf diese Weise springt der Schlafrhythmus, der vorher aus dem Gleichgewicht geraten ist, wieder an. Das lässt sich gut mit einem „Reset“ bei einem Computer vergleichen. Zudem wirkt Schlafentzug stimmungsaufhellend und eignet sich daher gut für Patienten mit Depressionen.

In der Dr. Becker Burg-Klinik haben Sie im letzten Jahr rund 2.000 Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen behandelt. Wie viele von ihnen litten unter Schlafstörungen?

Etwa 90 Prozent unserer Patienten leiden unter Schlafstörungen. Dabei entfallen 70 Prozent auf Menschen mit Depressionen, deren Behandlung einer unserer Schwerpunkte ist. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der unter Schlafstörungen leidenden Patienten konstant geblieben. Schlafprobleme sind also ein immerwährendes, gleichbleibendes Thema.

Herr Aron, danke für das Gespräch.