Der beste Job von allen


 

Seit Ende April hat die psychosomatische Dr. Becker Burg-Klinik in Stadtlengsfeld einen langersehnten neuen Kollegen: den Therapiebegleithund Fridolin. Die Psychologin Frau J. hat 2017 mit ihm die entsprechende Ausbildung absolviert. Nach einem Schicksalsschlag hat sich J. in neuer Funktion in den Klinikalltag zurückgefunden.

Fridolin_rehaexFrau J., wie ist Fridolin denn zu Ihnen in die Klinik gekommen?

Eigentlich hat unser Chefarzt Dr. Süß das Ganze initiiert. Er wusste, dass ich schon immer Hunde hatte, und hat mich gefragt, ob ich mich nicht in die tiergestützte Therapie einarbeiten möchte. Wir bieten hier in der Burg-Klinik ja die Reha mit Hund an. Da bekommen wir stets mit, wie gut den Patienten der Umgang mit Tieren tut. Deshalb wollte Dr. Süß, dass wir das ebenfalls für unsere therapeutischen Anwendungen nutzen können, und unser Angebot dahingehend erweitern.

Fridolin wurde dann ganz bewusst beim Golden Retriever-Züchter ausgesucht. Zum einen eignen sich nicht alle Rassen als Therapiebegleithunde. Zum anderen war Fridolin auch der Welpe, der am kontaktfreudigsten war. Gleichzeitig besitzt er auch die Fähigkeit, sich abgrenzen und zurückziehen zu können. Das ist für Therapiebegleithunde unglaublich wichtig.
Als Fridolin dann bei mir zuhause war, habe ich vier Wochen lang „Elternzeit“ genommen, damit wir uns aneinander gewöhnen. Die Burg-Klinik hat mich hier unterstützt – eine Woche dieser Elternzeit wurde mir als Weiterbildungsurlaub genehmigt. Während dieser vier Wochen hat Fridolin schrittweise in einer gestuften Eingliederung die Burg erobert.
Und dann haben wir gemeinsam die Therapiebegleithundeausbildung gemacht. Das heißt, dass wir ein Jahr lang einmal im Monat ein Seminar in Erfurt besucht haben.

Was waren die Inhalte des Seminars?

Für mich war das mit einiger Schreibarbeit verbunden. Ich musste schriftliche Arbeiten einreichen und praktische Hausaufgaben mit Fridolin erledigen. Die Abschlussprüfung bestand aus einer schriftlichen Arbeit, einer Videovorstellung der praktischen Hausaufgaben und der praktischen Prüfung von Fridolin. Er hat vor allem Geduld und Gelassenheit erlernen und dann in den Prüfungen zeigen müssen. Dafür wurde ihm zum Beispiel Futter hingestellt, an das er aber nicht sofort ran durfte. Die Kosten für die Ausbildung wurden von der Burg-Klinik übernommen.

Und wie sieht Fridolins Alltag in der Klinik jetzt aus?

Fridolin hat eigentlich den besten Job von uns allen. Er wird den ganzen Tag gekrault und kann während der Arbeitszeit schlafen. Er ist ja kein Therapiehund, sondern ein Therapiebegleithund. Das heißt, er ist vor allem in der Funktion des „Eisbrechers“ unterwegs. Fridolin hilft mir ganz ungemein dabei, den Kontaktaufbau mit den Patienten zu erleichtern. Und er sorgt für gute Stimmung – circa 90% der Patienten, auf die wir treffen, strahlen ihn an. Emotionale Stimmungen bekommt Fridolin natürlich auch ganz genau mit. Und das wirkt dann wahre Wunder, wenn er den Patienten, denen es schlecht geht, seine Schnauze auf’s Knie legt.

Muss im alltäglichen Ablauf etwas Besonderes beachtet werden?

Unbedingt. Gerade Tiere, Kliniken und Hygiene sind ja ein sensibles Thema. Fridolin und ich nutzen nur ganz bestimmte Wege. Die sind festgelegt. In meinem Büro musste ein neuer Boden verlegt werden, der sich besser reinigen lässt. Dem Speisesaal bleiben wir natürlich sowieso fern und ich halte nach, dass Fridolin immer entwurmt ist.
Ansonsten begleitet Fridolin mich nur bei den Patienten, für die der Hundekontakt auch okay ist. Er trägt auch immer ein Halstuch, um ihn von den Patientenhunden unterscheiden zu können. Und da wir uns ja ein Büro teilen, steht er auch mit auf dem Türschild – damit niemand eine Überraschung erlebt, wenn er die Türe öffnet.

Eigentlich war Ihr Start mit Fridolin ja ganz anders geplant …

Genau, eigentlich wollten wir bereits im Dezember 2015 starten. Da habe ich aber eine Hirnblutung erlitten und bin ab da ausgefallen. Fridolin war schon seit September bei mir, aber wir hatten die Ausbildung noch nicht begonnen. Ich habe zuvor Vollzeit als Bezugstherapeutin gearbeitet, das geht seitdem nicht mehr. Die Burg-Klinik hat mich aber toll unterstützt und quasi eine neue Stelle für mich geschaffen. Fridolin und ich sind jetzt immer von halb neun bis halb eins in der Klinik. Ich leite jetzt noch zwei Genussgruppen, die Psychosegruppe, zwei Gesprächsrunden für Hundebesitzer und biete Einzelgespräche für Patienten „rund um das Thema Hund“ an – und Fridolin unterstützt mich dabei tatkräftig.

Vielen Dank für das Gespräch!

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